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Letzte Tipps für den Freiburg Marathon: So meisterst du die Race-Week

Letzte Tipps für den Freiburg Marathon: So meisterst du die Race-Week

Du hast monatelang trainiert. Lange Läufe im Schwarzwald-Vorland, Tempoeinheiten auf dem Tartanplatz, Wochen mit 60, 70, manchmal 80 Kilometern. Und jetzt, eine Woche vor dem Startschuss in Freiburg, wächst das nagende Gefühl: Soll ich wirklich so wenig laufen? Die Beine fühlen sich merkwürdig leicht an, der Kopf denkt ständig ans Training, das du gerade nicht machst. Dieses Unbehagen kennt fast jeder Marathonläufer kurz vor dem Rennen — und genau da liegt die erste große Gefahr der Race-Week.

Denn die letzten Tage vor dem Freiburg Marathon entscheiden mindestens genauso viel über dein Ergebnis wie die letzten langen Läufe. Wer jetzt die falschen Entscheidungen trifft — zu viel trainiert, falsch isst oder schlecht schläft — riskiert, mit halbvollen Akkus an die Dreisam-Route zu starten. Wer es richtig macht, tritt ans Startfeld mit Muskeln, die sich nach vier Wochen Aufbau tatsächlich erholt anfühlen. Hier ist das Wissen, das dich dabei unterstützt.

Warum Tapering keine Schwäche ist, sondern Wissenschaft

Tapering — die schrittweise Reduktion deines Trainingsumfangs in den Wochen vor dem Wettkampf — fühlt sich für viele Läufer kontraintuitiv an. Weniger tun, obwohl das Rennen naht? Ja, genau das. Und die Forschung ist eindeutig: Smyth und Lawlor (2021) analysierten Tapering-Strategien von Freizeitläufern und zeigten, dass eine längere, disziplinierte Tapering-Phase die Wettkampfleistung verbessert [2]. Wer die letzten Wochen strukturiert herunterfährt, kommt erholt — nicht ausgelaugt — an die Startlinie.

Der Mechanismus dahinter ist physiologischer Natur: Während Hochtrainingsphasen baut dein Körper Mikroverletzungen in der Muskulatur auf, die Glykogenspeicher sind chronisch leicht entleert, das Nervensystem läuft auf Dauerspannung. Tapering gibt deinem Körper den Raum, all das zu reparieren. Die Glykogenspeicher füllen sich auf, neuromuskuläre Verbindungen regenerieren sich. Das Ergebnis: Du bist am Renntag nicht müder als nach der letzten Belastungswoche — sondern frischer.

Entscheidend ist dabei, die Intensität zu halten, während das Volumen fällt. Eliteathleten nutzen dieses Prinzip konsequent: Spilsbury et al. (2015) stellten fest, dass britische Marathon-Eliteläufer während des Tapers zwar Gesamtvolumen reduzieren, aber gezielte intensive Einheiten beibehalten [3]. Das Renntempo muss dem Körper vertraut bleiben — du streichst also Kilometer, aber nicht Qualität.

Dein Tapering-Plan für die letzten drei Wochen

Hier siehst du auf einen Blick, wie du das Volumen strukturiert zurückfährst, ohne in die „Ich-trainiere-gar-nichts"-Falle zu tappen:

Woche vor dem RennenVolumenzielLanger LaufTempoeinheitIntensives Training
Woche 3 (–3)~80 % des normalen Umfangs19–23 km1 × 6–9 km im RenntempoIntervalle & Bergläufe streichen
Woche 2 (–2)50–65 %13–16 km1 × 3 km Renntempo + Ein-/AuslaufKeine intensiven Einheiten
Woche 1 (Race-Week)Max. 30–35 %Kein langer LaufMo/Di: 3 km Renntempo + Ein-/AuslaufKomplett gestrichen
In der Race-Week selbst gilt: Läufe länger als 6 Kilometer haben nichts mehr zu suchen. Die Einheiten von Montag und Dienstag sind kurze Anklopf-Läufe, die deinen Körper an das bevorstehende Tempo erinnern, ohne ihn zu belasten. Drei Tage vor dem Start reicht ein lockerer 3-bis-5-Kilometer-Lauf als letztes Signal. Danach: bewusste Ruhe.

Ein häufiger Fehler ist das Nachholen ausgefallener Einheiten aus den Wochen davor. Das klingt logisch — fühlt sich aber physiologisch katastrophal aus. Einheiten, die du verpasst hast, sind verloren. Sie lassen sich nicht in der Race-Week komprimieren, ohne Ermüdung zu erzeugen, die du dir jetzt definitiv nicht leisten kannst.

Pacing-Strategie: Warum die ersten 10 km über alles entscheiden

Stell dir folgendes Szenario vor: Die Atmosphäre in Freiburg beim Start ist elektrisierend, die Beine fühlen sich nach dem Tapering federleicht an, und du läufst die ersten Kilometer 15 Sekunden pro Kilometer schneller als geplant. „Heute ist mein Tag", denkst du. Bei Kilometer 32 weißt du, dass es kein guter Tag war.

Grivas (2025) untersuchte in einer aktuellen Übersichtsarbeit die Physiologie und Psychologie von Negative Splits — also der Strategie, die zweite Hälfte des Marathons schneller zu laufen als die erste [4]. Die Erkenntnis: Negative Splits sind nicht nur ein taktischer Vorteil, sie sind physiologisch begründet. Wer in den ersten Kilometern zu schnell läuft, zehrt unverhältnismäßig stark an den Glykogenspeichern, baut frühzeitig Laktat auf und riskiert den berüchtigten „Wall" kurz nach der Halbmarke.

García-Manso et al. (2021) analysierten das Pacing-Verhalten hochklassiger männlicher Marathonläufer über mehrere Jahre und zeigten, dass auch Topläufer ihre besten Rennen mit gleichmäßigen oder leicht beschleunigenden Splits absolvieren [5]. Was für die Elite gilt, gilt für dich als Freizeitläufer noch stärker — denn dein aerober Puffer ist kleiner.

Die CEP Pacer des Freiburg Marathons nutzen

Beim Freiburg Marathon helfen dir die CEP Pacer mit Beachflags für Zielzeiten von 3:00, 3:15, 3:30, 3:45, 4:00, 4:15, 4:30 und 5:00 Stunden. Nutze sie — und zwar wirklich. Such dir deinen Pacer im Startbereich, stell dich dahinter, und widerstehe dem Drang, in den ersten Kilometern voranzupreschen. Der Pacer läuft das geplante Gleichmäßig-Tempo durch, und genau das schützt dich vor dir selbst.

Cuk et al. (2019) zeigten in ihrer Analyse von Marathon- und Halbmarathonläufern, dass ein ungleichmäßiges Pacing — insbesondere zu schnelles Beginnen — mit schlechteren Gesamtergebnissen korreliert, besonders bei Altersklassensportlern [6]. Je weiter du dich von einem gleichmäßigen Tempo entfernst, desto mehr kostet dich das am Ende.

Carboloading in der Race-Week: Was die Forschung sagt

Ernährung in der Race-Week ist nicht glamourös, aber wirksam. Das Prinzip des Carboloadings — die gezielte Erhöhung der Kohlenhydrataufnahme in den Tagen vor dem Rennen — hat eine solide wissenschaftliche Grundlage. Burke (2007) beschreibt in ihrer Arbeit zur Marathonernährung, dass Carbohydrate Loading für gut trainierte Läufer effektiv über das Tapering der Trainingsbelastung kombiniert mit einer Kohlenhydratzufuhr von 10–12 g pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag über die letzten 36–48 Stunden vor dem Rennen erreicht werden kann [1].

Was bedeutet das praktisch? Bei einem 70-Kilogramm-Läufer sind das 700–840 Gramm Kohlenhydrate pro Tag — das klingt nach viel, weil es viel ist. Nudeln, Reis, Brot, Kartoffeln, Haferflocken: Diese Lebensmittel gehören in den Tagen vor dem Rennen auf den Teller. Fett und Ballaststoffe reduzierst du dagegen — nicht wegen Magie, sondern weil du Verdauungsprobleme am Renntag vermeiden willst.

Was du nicht tun solltest: in der Race-Week neue Lebensmittel, neue Restaurants oder unbekannte Produkte ausprobieren. Dein Magen-Darm-Trakt hat in dieser Woche genug Stress durch die Wettkampfaufregung. Bleib bei dem, was du kennst.

Tag vor dem RennenKohlenhydratfokusFettanteilTipp
3 Tage vorherErhöht (~8 g/kg)NormalGewohnte Mahlzeiten
2 Tage vorherHoch (~10 g/kg)ReduziertNudeln, Reis, Brot
1 Tag vorherSehr hoch (~10–12 g/kg)GeringKein Experiment, früh essen
RenntagFrühstück 2–3h vorherMinimalVertrautes Frühstück

Schlaf: Der unterschätzte Leistungsfaktor

Viele Läufer denken in der Race-Week über Trainingseinheiten und Ernährung nach — aber Schlaf fällt oft hinten runter. Das ist ein Fehler. Schlaf ist keine passive Pause, sondern der Zeitraum, in dem dein Körper die Reparaturarbeit des Taperings tatsächlich leistet. Neuromuskuläre Regeneration, Hormonausschüttung, Gedächtniskonsolidierung von Bewegungsmustern — all das passiert, während du schläfst.

Versuche in der Race-Week auf 8 Stunden Schlaf pro Nacht zu kommen. Gehe vor 22:30 Uhr ins Bett, etabliere eine ruhige Abendroutine und vermeide Bildschirme mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen. Sportliche Einheiten nach 18 Uhr verschieben den Einschlafzeitpunkt — in einer Woche, in der Schlaf Priorität hat, also nicht sinnvoll.

Was die Nacht vor dem Rennen angeht: Erwarte nicht, perfekt zu schlafen. Aufregung und Nervosität sind normal und werden deine Leistung am nächsten Tag kaum beeinträchtigen — vorausgesetzt, du hast in den Nächten davor gut geschlafen. Entscheidend ist das Schlafkonto der gesamten Woche, nicht die letzte Nacht.

Mentale Vorbereitung: Den Kopf mit an die Startlinie bringen

Der Marathon ist ein Kopfrennen. Nicht nur ab Kilometer 30, sondern schon in der Race-Week. Wer mit Angst und Zweifeln an die Startlinie geht, läuft einen anderen Wettkampf als jemand, der sich auf sein Training verlässt.

Nimm dir täglich 10 bis 15 Minuten, um das Rennen im Kopf durchzugehen. Nicht als ängstliches Grübeln, sondern als gezielte Visualisierung: Du stehst am Start, die Pacer sind in Sichtweite, die ersten Kilometer laufen ruhig und kontrolliert. Du passierst Kilometer 20, die Halbmarke, immer noch im Rhythmus. Kilometer 35 — der schwere Punkt — und du hast noch Reserven. Solche Bilder im Kopf zu haben, bedeutet nicht, dass alles perfekt läuft. Aber sie geben dir einen Plan, auf den du zurückgreifen kannst, wenn es hart wird.

Plane außerdem mentale Checkpoints für das Rennen. Bei Kilometer 10, 21 (Halbmarke) und 30 kurz innehalten und checken: Wie fühle ich mich? Bin ich im Tempo? Brauche ich Gel, Wasser? Diese bewussten Momente verhindern, dass du auf Autopilot läufst — und retten dich oft vor unbewusstem Überpacen in den ersten Kilometern.


Wissenschaftliche Quellen

1. Burke LM (2007). Nutrition strategies for the marathon: fuel for training and racing. Sports medicine (Auckland, N.Z.). PubMed
2. Smyth B, Lawlor A (2021). Longer Disciplined Tapers Improve Marathon Performance for Recreational Runners. Frontiers in sports and active living. PubMed
3. Spilsbury KL et al. (2015). Tapering strategies in elite British endurance runners. European journal of sport science. PubMed
4. Grivas GV (2025). The physiology and psychology of negative splits: insights into optimal marathon pacing strategies. Frontiers in physiology. PubMed
5. García-Manso JM et al. (2021). Tactical behavior of high-level male marathon runners. Scandinavian journal of medicine & science in sports. PubMed
6. Cuk I et al. (2019). Age Differences in Pacing in Endurance Running: Comparison between Marathon and Half-Marathon Men and Women. Medicina (Kaunas, Lithuania). PubMed


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